Fokus Afrika

A revolution won’t be televised!

Genauso wie der Filmtitel der mauretanischen Regisseurin Rama Thiaw gibt die diesjährige Filmauswahl des Fokus Afrika wenig Anlass zum Optimismus.
Thiaw dokumentiert in ihrem Film The Revolution won’t be televised die Wahlen im Senegal von 2011. Dort wurde der bisherige Amtsinhaber Wade erst in Folge einer dramatischen Volksbewegung abgelöst. Zuvor hatte er die Zahl der Amtsperioden durch Verfassungsänderungen unendlich ausgedehnt.
Auf diese Praxis greift die herrschende Staatsklasse vieler afrikanischer Länder gerne zurück. Senegal gelang es, dieses Vorgehen erstmals zu verhindern. Zumindest formal kam es zu einem Amtswechsel, den besonders die Jugend des Landes gefordert hatte.
Eine vergleichbare Situation zeichnet sich im Tschad ab. Bürgerkriegsähnliche Unruhen hielten bis 1990 im ganzen Land an. Dem amtierenden Präsidenten Idriss Debry gelang es, den mit harter Hand herrschenden Hissein Habré zu stürzen.
Mahamat-Saleh Haroun stellt bei den Französischen Filmtagen seine Dokumentation Hissein Habré, eine Tragödie des Tschads vor. Der Film, der den Prozess gegen den gestürzten Diktator Habré dokumentiert, kann als Meilenstein der Demokratiebewegung in Afrika betrachtet werden.
Aus dem hoffnungsvollen „Arabischen Frühling“ ist – mit Ausnahme von Tunesien – wenig geblieben. Mit einer Reihe von Filmen, die von Ägypten über Tunesien bis nach Marokko reichen, versuchen die Französischen Filmtage in diesem Jahr eine Bestandsaufnahme vorzulegen.
Die Filme spiegeln die innere Zerrissenheit jener Gesellschaften wider, die sich zwischen dem konservativen Islam und der ungebrochenen Anziehungskraft Europas bewegen. Auch Hedi von Mohamed Ben Attia macht diesen Spagat zwischen den beiden Welten auf beindruckende Weise sichtbar. Nicht umsonst wurde er bei der Berlinale dieses Jahr ausgezeichnet.
Auf ein besonderes Problem, das aus dieser Zerrissenheit resultiert, weist der diesjährige Wettbewerbsbeitrag Wùlu von Daouda Coulibaly hin. Der Film thematisiert den internationalen Drogenhandel, der quer durch die Sahara verläuft. Die enormen Gewinnspannen daraus finanzieren die Konflikte in dieser Region – Amtsträger sind genauso darin verwickelt wie radikale Islamisten.
Hat die Bundeswehr mit ihren Friedenstruppen in Mali eine Trendwende fördern können? Im Gespräch mit unseren Gästen aus West- und Nordafrika werden wir Gelegenheit haben, über die Situationen in Afrika zu diskutieren.