Fokus Afrika

Der Kongo aus Sicht der Filmemacher

Eine positive Berichterstattung aus dem Kongo findet sich in unseren Medien praktisch nicht. Das riesige Land in der Mitte Afrikas mit seinen über 80 Millionen Einwohnern scheint unrettbar in den Fängen der Interessen von Warlords mit ihren rücksichtslosen Milizen zu hängen. Die Regierung Kabilas in der 11-Millionen-Stadt Kinshasa, die nur auf eigene Vorteile bedacht ist, hat seit Dezember 2016 kein Mandat mehr und vertagt die anstehenden Neuwahlen aus Angst vor einem Machtverlust ständig. Die im Lande stationierten UNO-Verbände gehen davon aus, dass seit knapp einem Jahr über 3000 Menschen ermordet wurden.

Das Programm der Filmtage möchte diese Konflikte im Kongo aus zwei Blickwinkeln zur Diskussion stellen. Es sind der einerseits in Kinshasa von Alain Gomis gedrehte Spielfilm Félicité und auf der andern Seite der Dokumentarfilm über die Polizeikommandantin Honorine Munyole Maman Colonel von Dieudo Hamadi. Im Lebensweg der Nachtklubsängerin Félicité und ihrem Versuch, im politischen und menschlichen Chaos dieses Landes aufrechtzubleiben, spiegelt sich die gesamte Dramatik eines Landes, das seit seiner Unabhängigkeit 1960 zum Spielball der Interessen skrupelloser Geschäftemacher und politischer Gewaltherrscher wurde.

Auch die anderen Filme des diesjährigen Afrika-Programmes befassen sich mit den Folgen dieser von struktureller Gewalt beherrschten gesellschaftlichen Realität in fast allen afrikanischen Ländern. So zeigt die tunesische Filmemacherin Kaouther Ben Hania in ihrem auf einer wahren Geschichte beruhenden Spielfilm La Belle et la meute eine junge Frau nach einer Vergewaltigung in ihrem verzweifelten Kampf mit der von Männern beherrschten Gesellschaft Nordafrikas.

Diese Auseinandersetzung mit den hierarchischen Strukturen, die in den verschiedensten Formen viele afrikanische Gesellschaften auch heute noch prägen, zieht sich als Thema durch alle Filme der diesjährigen Filmauswahl des Afrikaprogrammes. Das reicht von der Projektion einer heilen Welt in L´Orage African von Sylvèstre Amoussou aus Bénin, über das verdrängte Thema einer Hexenverfolgung in I am not a witch von Rungano Nyoni bis hin zur Suche nach dem privaten Glück in einer zerrütteten Gesellschaft in Volubilis von Faouzi Bensaïdi.

Diese Bandbreite und Überzeugungskraft, die das afrikanische Kino auszeichnet, ist in unvergleichlicher Art mit dem Werk des vor 10 Jahren verstorbenen Regisseurs Ousmane Sembène aus dem Senegal verbunden. Mit dem Film von Samba Gadjigo und Jason Silverman Sembène! wollen wir deshalb an unseren Freund und Förderer des afrikanischen Kinos in Tübingen erinnern.

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