Fokus Afrika 2015

»Wir vertrauen nur uns selbst!« – das Erbe Thomas Sankaras

»Wir vertrauen nur uns selbst!« war eine der Parolen bei den Demonstrationen, als im Oktober vergangenen Jahres Tausende auf die Straßen Burkina Fasos gingen, um gegen einen der notorischen »Langzeitherrscher“ Afrikas, den Präsidenten Blaise Compaoré, zu demonstrieren. Das Regime reagierte mit blutiger Unterdrückung. 25 Demonstranten starben, doch nach 27 Jahren wandte sich nun auch die Armee von Compaoré ab und zwang ihn zur Flucht. Eine Interimsregierung der Armee sollte Stabilität schaffen und demokratische Wahlen organisieren, die für den 11. Oktober diesen Jahres geplant waren.

Am 16. September 2015 putschte die Präsidentengarde (Régiment de Sécurité Présidentielle, RSP) unter der Führung von General Gilbert Diendéré. Wenige Tage später gaben die Putschisten auf und unterzeichneten ein Abkommen mit der regulären Armee, die ihnen vorläufig Sicherheit verspricht. Der bisherige Übergangspräsident Michel Kafando hat die Regierung wieder übernommen. Neuer Wahltermin ist der 22. November.

Das auch für afrikanische Verhältnisse bitterarme Land Burkina Faso, das 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangte, erlebte 1983 mit der Machtübernahme von Thomas Sankara und dessen links-populärer Regierung große Aufmerksamkeit. Der Hoffnungsträger Thomas Sankara kam 1987 beim Umsturz durch Compaoré ums Leben. Die Protestbewegung hatte in ihm eine feste Bezugsgröße für die politische Neuausrichtung des Landes gesehen. Eine Rückbesinnung auf eigene Wurzeln und eine kulturelle Erneuerung – das wichtigste afrikanische Filmfestival Fespaco zeugt heute noch davon – konnten jedoch dem vom Baumwollanbau abhängigen Land keine Verbesserung der Lebensverhältnisse bringen. Die andauernde Wirtschaftskrise hatte in den vergangenen Jahren besonders die Jugend zur Migration und zur Arbeit auf den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste gezwungen. Mit dem dortigen Bürgerkrieg kehrten viele wieder zurück, und die Routen der Migration führen nun in den Norden. Das Land im Zentrum Westafrikas ist in den Strudel der Schmuggler und Schlepper geraten, die am Strom der Menschen durch die Wüste verdienen. In Nordafrika treffen die Migranten auf Staaten wie Libyen, die am Zerfallen sind oder die in einem weitgehenden gesellschaftlichen Umbruch stecken. Bis heute es hat nur Tunesien es geschafft, einen demokratischen Wandel einzuleiten und ist dabei zum Ziel radikaler Islamisten geworden.

Mit der diesjährigen Filmauswahl möchten die Filmtage diese dramatischen gesellschaftspolitischen Entwicklungen mit einem Schwerpunkt in Burkina Faso aus der Sicht afrikanischer FilmemacherInnen begleiten. Die eingeladenen Gäste werden über die aktuelle Situation berichten.

Zwei Filme aus dem Maghreb und der neue Film von Raoul Peck ergänzen die Filme aus Westafrika um weitere Aspekte einer politischen Realität, die Europa mit den Flüchtlingsströmen in den vergangenen Monaten unmittelbar zu spüren bekommt.