Das waren die 35. Französischen Filmtage Tübingen | Stuttgart

Mit Filmen ist es ein bisschen wie mit dem Wein. Es gibt gute und nicht ganz so gute Jahrgänge. Das Filmjahr 2018 war einfach hervorragend – von der trockenen, spritzigen Komödie bis zum schweren und dunklen Drama war alles in großer Qualität vertreten. Das Publikum der 35. Französischen Filmtage hat diese Vielfalt und Klasse begeistert angenommen und für gut gefüllte Kinosäle, engagierte Diskussionen und eine großartige Festivalatmosphäre gesorgt. Unsere Gäste waren nicht minder begeistert von dem herzlichen Empfang, der ihnen bereitet wurde und ließen sich gern von dem Charme Tübingens verzaubern.
Auch das Rahmenprogramm war ein voller Erfolg, seien es die Ausstellung zu Virtual Reality und Augmented Reality im Brechtbau und im Stadtmuseum, die Cinéconcerts, der Afrikanachmittag in Stuttgart, die vielen Empfänge, Partys, Workshops – wir können wirklich über gar nichts jammern und sind einfach nur glücklich, stolz und dankbar, dass die 35. Französischen Filmtage so fantastisch gelaufen sind. MERCI BEAUCOUP allen, die dazu beigetragen haben!

Alle Preisauszeichnungen und Preisträger

An den Gewinner des Internationalen Wettbewerbs geht der Filmtage-Tübingen-Preis

5.000 Euro, gestiftet von den Vereinigten Lichtspielen Tübingen

„Fortuna“ – Germinal Roaux

Die Begründung der Jury (Agnès Nordmann, Delphine Lemoine, Marie Mandy):

Für die originelle und sensible Art, verschiedene Themen miteinander zu verknüpfen – Gastfreundschaft, aber auch Kindheit, Einsamkeit, Exil und Spiritualität – ohne dabei Partei zu ergreifen, für die Qualität, die Schlichtheit und die Poesie seiner künstlerischen Umsetzung, für die Sicherheit seines langsamen Rhythmus und die Schönheit seiner schwarz-weißen Bilder, für die Empfindsamkeit, die Einfühlsamkeit und die Menschlichkeit die diesem Film zu eigen sind und unsere Vorstellungskraft wie ein Märchen beeinflussen, hat sich die Jury einstimmig darauf geeinigt, den Filmtage-Tübingen-Preis an den schweizer-belgischen Film „Fortuna“ von Germinal Roaux zu vergeben.

Mention spéciale :

„Il se passe quelque chose“ von Anne Alix

Für den schönen Entwurf, die Gegenwärtigkeit und Entwicklung der beiden Frauenfiguren, für die gelungene Verbindung aus Fiktion und Dokumentation, die den Film zu einer Begegnung hin öffnet, die gleichzeitig das Hauptthema und der Ausgangspunkt dieses berührenden Films sind, hat die Jury beschlossen, dem Film „Il se passe quelque chose“ von Anne Alix einen Sonderpreis der Jury auszusprechen.

Internationaler Kurzfilmwettbewerb

1.000 Euro, gestiftet von der Kreissparkasse Tübingen

Die internationale Jury (Agnès Nordmann, Delphine Lemoine, Marie Mandy) prämiert den innovativsten Kurzfilm.

„Fauve“ von Jeremy Comte

Für die qualitätvolle Inszenierung des Themas – Spiele und Herausforderungen von Kindern, die sich selbst überlassen sind und sich in Gefahr begeben -, für die Geschlossenheit des Drehbuchs, die Führung der Schauspieler, die Schönheit der Bilder, die Beherrschung des Rhythmus und die nicht nachlassende emotionale Entwicklung erhält der kanadische Film „Fauve“ von Jérémy Comte den Kurzfilmpreis.

Stuttgarter Drehbuchpreis

1.000 Euro, gestiftet von der Landeshauptstadt Stuttgart

„Les chatouilles“ – Andréa Bescond, Eric Metayer

Für die kraftvolle und präzise Realisierung der intimen Geschichte eines Traumas – eine junge Frau wurde als Kind Opfer pädophilen Missbrauchs -, für die furiose Energie seiner Choreographien, die das Unsagbare verkörpern und die originelle Erzählung einer Psychoanalyse mit ihren Übertragungen, für sein vielschichtiges, ausgesprochen kreatives und kohärentes Drehbuch vergibt die Jury den Preis für das beste Drehbuch an „Les chatouilles“ von Andrea Bescond und Eric Metayer.

Mention spéciale :

„Seule à mon mariage“ – Marta Bergman

Für den wahrhaftigen und berührenden Bericht über den Emanzipationsversuch einer jungen Mutter aus Rumänien durch eine Online-Heiratsvermittlung, für den straffen Aufbau der Erzählung aus Hoffnungen, Ungesagtem und Missverständnissen und für die sparsame Erzählung, die gleichzeitig viel Wert auf Details legt verleiht die Jury dem Film „Seule à mon mariage“ von Marta Bergman einen Sonderpreis der Jury.

Stuttgarter Publikumspreis

1.000 Euro, gestiftet von Arthaus Filmtheater Stuttgart

„Rafiki“ – Wanuri Kahiu

Tübinger Publikumspreis und Verleihförderpreis

2.500 Euro, gestiftet von den Vereinigten Lichtspielen Tübingen

An den Gewinner des Tübinger Publikumspreises geht außerdem der Verleihförderpreis:

21.000 Euro, gestiftet von Unifrance, der MFG Filmförderung Baden-Württemberg und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (OFAJ). Das Preisegeld erhält derjenige deutsche Verleih, der den Gewinnerfilm des Tübinger Publikumspreises in die deutschen Kinos bringen wird.

„Un homme pressé“ – Hervé Mimran

Preis der Jugendjury Tübingen

1.000 Euro, gestiftet von den Vereinigten Lichtspielen Tübingen

„Un homme pressé“ – Hervé Mimran

Die Begründung der Jury:

Das Zusammenspiel aus der hervorragenden Schauspielleistung, den interessant gestalteten Nebenrollen mit jeweils eigenen Handlungssträngen, umgesetzt durch kreative, abwechslungsreiche Kameraeinstellungen, erschaffen einen lebensnahen Film, der einen sowohl emotional berührt, als auch einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Die adäquate Filmmusik passt sich den Szenen perfekt an. Auch die gut gelungenen Wortwitze bleiben in den Untertiteln erhalten. Man konnte sich gut mit den sympathischen Charakteren identifizieren, diese machten im Laufe des Filmes eine spannende Entwicklung durch.
Besonders das Verhältnis von Vater und Tochter ging uns sehr nahe. Der Film bot durch seinen spannenden Aufbau eine durchgehende Unterhaltung und sein spontanes Ende lässt einen mit einem Lächeln aus dem Kinosaal gehen.

Preis der Jugendjury Stuttgart

1.000 Euro, gestiftet von der Landeshauptstadt Stuttgart

„Rafiki“ – Wanuri Kahiu

Die Begründung der Jury:

Rafiki, ein Film von Wanuri Kahiu, behandelt die verbotene Liebe zwischen zwei Politikertöchtern in Kenia. Es besticht durch seinen Tiefgang und zeigt auf, wie schonungslos Homosexualität in der dortigen Gesellschaft geächtet wird. Trotz allem wird die Kenianische Kultur farbenfroh und sehr lebendig dargestellt. In Kenia verboten, sorgte er bereits für Aufregung und hat das Potenzial eine Debatte auszulösen.

Tübinger/Stuttgarter Schülerkurzfilmwettbewerb

500 Euro, gestiftet von der Kreissparkasse Tübingen und von der Finanzgruppe BW

“Inquiétant” – THG Esslingen, Klasse 9e
In der Kategorie Unter-/Mittelstufe
Lobende Erwähnung: Crêpes tutoriel” –  Maria-von-Linden-Gymnasium, Klasse 8a

“Noir sur blanc” – Christoph-Schrempf-Gymnasium, Klasse 11
In der Kategorie Oberstufe.
Lobende Erwähnung: “Le pingouin” – Friedrich List-Gymnasium Reutlingen Klasse 11, „Pas comme les autres“ – Kepler-Gymnasium Tübingen, Klasse 12