Med Hondo

Filmographie

2003 Fatima, l’Algérienne de Dakar
1998 Watani, un monde sans mal
1994 Lumière noire
1986 Sarraounia
1979 West Indies
1978 Polisario, un peuple en armes
1977 Nous aurons toute la mort pour dormir
1975 Sahel la faim pourquoi ?
1974 Les Bicots-nègres vos voisins
1971 Mes voisins
1969 Soleil Ô
1969 Partout ou peut-être nulle part
1969 Roi de Cordes (Kurzfilm)
1967 Ballade aux sources

Interview mit Med hondo von Festival TV

Med Hondo

zu Gast in Tübingen

Med Hondo, einer der großen Pioniere des afrikanischen Kinos, wurde 1936 in Mauretanien geboren. Er machte eine Ausbildung an der Hotelfachschule in Rabat und als er 1959 nach Frankreich kam, ging er davon aus, dass Fachkräfte wie er dort gesucht seien. Doch die Zurückweisung, die Arroganz und der Rassismus, den er erlebte, motivierten ihn dazu, in einer Theatergruppe aktiv zu werden. Autodidaktisch fand er sodann Anschluss an die Welt des Films. Seine eigenen wie die Erfahrungen anderer ImmigrantInnen aus Afrika und den Antillen mündeten in den stilistisch einzigartigen Debütfilm SOLEIL Ô, der ihn 1970 schlagartig berühmt machte. Das Drehbuch hatte er im Mai 68, einer Zeit großer Umbrüche, fertiggestellt. Ihm gefielen die gemeinsamen Aktionen von Immigranten, Studenten und Arbeitern, aber es ging ihm in erster Linie darum, die Lebensumstände von Migranten auf der Kinoleinwand sichtbar zu machen. »Die Bilder des europäisch-amerikanischen Kinos schließen das afrikanische und arabische systematisch aus«, schrieb er in einem Artikel jener Jahre. Sein Wunsch dies zu ändern, sollte sein ganzes künstlerisches Schaffen bestimmen. Dank seiner Theatererfahrungen konnte er als französischer Synchronsprecher afroamerikanischer Stars Geld verdienen, das er in neue Projekte steckte. Beim Kinostart von Soleil Ô wurde er um seine Einnahmen geprellt; mit seinen anderen Filmen hatte er Schwierigkeiten, in größere Kinos zu kommen. Auch deshalb ist sein unbestritten hoher Stellenwert für das afrikanische Kino eher Spezialisten als einem breiteren Publikum bekannt.
Ein Meilenstein bei seinem Bemühen um eine neue, angemessene Filmsprache für die Entfremdung der Afroamerikaner von ihrer Geschichte und ursprünglichen Kultur durch den Kolonialismus ist WEST INDIES von 1979. In diesem Film griff Med Hondo den Sklavenhandel aus Afrika in die Neue Welt auf. Diese kollektive Erfahrung mit dem Genre des populären Musicals anzugehen, ohne sich dessen eingefahrener Stilmittel zu bedienen, war ein cineastischer Kraftakt. Die Handlung spielt auf einer Bühne, die einem Sklavenschiff und dessen inhärenten Hierarchiestrukturen nachempfunden ist.

Mit gleicher Kompromisslosigkeit packt er in SARRAOUNIA (1986) die Darstellung der Eroberung seiner westafrikanischen Heimat durch die französischen Kolonialtruppen an. Größten Wert legt er auf ein authentisches Geschichtsbild, aber aus afrikanischer Perspektive: »Alles, was ich in dem Film zeige, lässt sich in der französischen Nationalbibliothek (…) verifizieren«, sagt er von seinem Film, der an den Widerstand der Königin Sarraounia im Niger erinnert.

Wie subtil er seine Kritik an der französischen Einwanderungspolitik in seinem Thriller LUMIÈRE NOIRE (1994) inszeniert, zeigt sein Können sowie die erstaunliche Aktualität seines künstlerischen Schaffens.
In FATIMA, L’ALGÉRIENNE DE DAKAR (2003) heiratet eine junge Frau ihren Vergewaltiger, um ihre Ehre wiederherzustellen und wird Jahre später mit einer Zweitfrau konfrontiert.

3Nov.16:00Discutons : Le Cinéma de Med Hondo16:00 Katholisches GemeindezentrumFilme:Discutons !,Fokus Afrika,HommageRahmenprogramm:Fokus Afrika,Vorträge & Diskussionen