Marvin

© Mars Films

Marvin

Frankreich 2017 | 114 Min. | OmU | Regie Anne Fontaine

ab Klasse 10

« Pourquoi est-ce qu’il nous fout la honte à nous tous, avec ses manières de pédé ? » (Marvins Vater)

Seine ganze Jugend über erleidet Marvin Bijou schweigend sein „Anders-Sein“, denn er hätte auch keine Worte oder Wissen, um sich gegen die verbale und physische Gewalt, die ihm widerfährt, zur Wehr zu setzen, und so prägen die abschätzigen Begriffe der anderen – „le squelette“ (Mutter), „la gonzesse“ (Bruder), „le pédé“ (die Mitschüler) sein Selbstbild, zumal er erfahren muss, dass auch seine Familie sich für sein Anderssein schämt. Erst die Begegnung mit der anderen Welt des Theaters erlaubt ihm eine zunehmende Lösung von der Diskriminierung durch die anderen, aber auch von der Welt, den Werten seiner Eltern, die nicht die seinen sind – und diese Distanzierung erfolgt ganz zentral über die Entdeckung einer anderen Sprache.
Seine Emanzipation von der Welt seiner Kindheit manifestiert sich durch den Wechsel des Namens: er ist nun Martin Clément – und dieser kann auf seine Jugend zurückblicken mit einem empathischen Blick, der das Verhalten der Eltern nicht denunziert oder nur verurteilt, sondern als Ausdruck ihrer kulturellen Armut begreift.

Fazit aus didaktischer Sicht: Protokoll der Emanzipation eines jungen Mannes (eines jungen Homosexuellen) aus sowohl materiell als auch kulturell beengtesten Verhältnissen, das trotz einiger beklemmender Mobbing-Szenen sehr berührend ist und Einblicke in die Welt der verletzten und deshalb selber verletzenden laissés-pour-compte gewährt.

Montag, 5.11.2018: 18:00 Uhr Kino, Museum Tübingen

Dienstag, 6.11.2018: 10:00 Uhr, Cineplex Reutlingen + 18:00 Uhr, Kino Waldhorn Rottenburg

Mittwoch, 7.11.2018: 10:00 Uhr, Kino Museum Tübingen + 18:00 Uhr, Kino Delphi Stuttgart