Das waren die 29. Französischen Filmtage 2012

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FESTival! Ein Jahr vor unserem dreißigsten Geburtstag wollten wir ein leichtes, heiteres Filmfest feiern und wir sind überzeugt: das ist uns gelungen!

Sogar das Wetter hat mit uns gefeiert und uns fast jeden Tag viele Stunden strahlenden Sonnenschein gegönnt – bis es regelmäßig kurz vor Vorstellungsbeginn zu regnen anfing und nichts anderes zu tun blieb als sich in die Kinosäle zu flüchten, die während der ganzen Woche sehr gut besucht waren. Tübingen war also wieder einmal das deutsche Herz des französischsprachigen Kinos: fast 12.000 Besucherinnen und Besucher haben sich auf die über 100 Filme eingelassen.

FESTival! Davon waren die Auswahlkommission und ein Teil des Teams schon vor Festivalbeginn überzeugt: Das Filmprogramm war in diesem Jahr ganz einfach großartig! Eine ausgewogene Mischung aus leichter Komödie und beeindruckendem Drama, aus bezaubernden Trickfilmen und ungewöhnlichen Dokumentarfilmen, Filme für die große Kinoleinwand und die ganz großen Gefühle und Kammerspiele fürs kleine Lichtspieltheater kam auch beim Publikum an und überzeugte durch eine unglaubliche Qualität. Wir konnten jeden Film uneingeschränkt empfehlen – ob er gefiel oder nicht, blieb letztendlich eine Frage des nicht zu disputierenden Geschmacks.

FESTival! Unsere Gäste tragen viel zum Gelingen der Filmtage bei. Die vielen Diskussionen, sowohl die offiziellen Gesprächsrunden nach den Filmvorstellungen als auch die inoffiziellen in den Festivalkneipen machen einen großen Teil des Charmes des Festivals aus. Die Wege sind kurz in Tübingen, man braucht sich nicht extra zu verabreden und begegnet sich immer wieder spontan – auf diese Weise entstehen Verbindungen, Bekanntschaften, Freundschaften, es werden Pläne für neue, gemeinsame Projekte geschmiedet und die Arbeit der anderen kann auf ganz persönliche Weise wahrgenommen werden. Unser Gast und Preisträger Namir Abdel Messeeh hat uns geschrieben: “Jetzt muss ich mich unbedingt an meinen nächsten Film machen, damit ich einen Grund habe, um bald wiederzukommen. Ich freue mich auf unser nächstes Rendez-vous in vier Jahren!“

FESTival! Das funktioniert nur mit einer guten Mannschaft und in diesem Jahr hatten wir wirklich ein fabelhaftes Team! Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, unsere sagenhaften Praktikantinnen und das Festival-TV haben in den letzten Wochen Unglaubliches geleistet und gezeigt, dass es tatsächlich möglich ist, in Tübingen ein kulturelles Großereignis von europäischem Niveau auf die Beine zu stellen.

FESTival! Der SACEM-Preis für die beste originale Filmmusik hat dafür gesorgt, dass Musik und Film auf den Französischen Filmtagen eine schöne und enge Verbindung eingehen konnte: Die beiden Cinéconcerts DIE ABENTEUER DES PRINZEN ACHMED in Tübingen mit der Musik von RADIOMENTALE und NOSFERATU in den Stuttgarter Wagenhallen mit der französischen Experimentalrockband ZONE LIBRE waren ebenso erfolgreich wie die Konzerte im Epplehaus mit der sagenhaften Band LES QUITRICHES und im Club Voltaire mit der entzückenden Mayembé Malayika.

FESTIval! „Wer afrikanisches Kino sehen möchte, muss dafür nach Tübingen kommen“, hat unser Gast Volker Schlöndorff festgestellt – und tatsächlich gab es viele, viele beeindruckende afrikanische Momente und Augenblicke. Die Afrika-Sektion feierte ihren 25. Geburtstag mit einer beeindruckenden Kurzfilmreihe und einer sehr engagierten Diskussion – und im Wettbewerb ist Afrika in diesem Jahr auf überwältigende Weise vertreten.

FESTival! Die Französischen Filmtage werden als Plattform für den französischsprachigen Film in Deutschland immer wichtiger, was nicht zuletzt an den Preisen liegt, die wir vergeben und die den FilmemacherInnen helfen, auch in Deutschland ein Publikum für ihre Arbeiten zu finden.

Internationaler Wettbewerb: Filmtage Tübingen Preis

Den vom Tübinger Kinomäzen Volker Lamm gestiftete und mit 5.000 € dotierte Filmtage Tübingen Preis geht an Kivu Ruhorahoza aus Ruanda und seinen Film MATIÈRE GRISE.
Die Begründung der Jury:
„Der Film verdeutlicht mit seiner feinfühligen Erzählweise in der Rückschau die Schrecken des Völkermords in Ruanda. Mit einer differenzierten Inszenierung stellt Kivu Ruhorahoza die Personen in den Vordergrund, die versuchen zu überleben. Es gelingt ihm, uns aus nächster Nähe an ihren Verletzungen teilhaben zu lassen. Deshalb ist dieser Film auch ein Film über die Notwendigkeit des künstlerischen Schaffens und der Sublimation als einzigem Ventil: in der Malerei, der Poesie, der Musik und natürlich auch im Film. MATIÈRE GRISE unterstreicht die Notwendigkeit der Erinnerung und ist ein wirklich wichtiger Film!“

Tübinger Publikumspreis

Der ebenfalls von Volker Lamm gestiftete Tübinger Publikumspreis, der mit 2.500 € dotiert ist, geht an Namir Abdel Messeehs Film La Vierge, les coptes et moi…

Stuttgarter Publikumspreis

Den Stuttgarter Publikumspreis, für den TV5Monde und die Landeshauptstadt Stuttgart 2.500 € bereitstellen, hat REBELLE von Kim Nguyen gewonnen.

Preis der Schülerjury Stuttgart

Auch die Schülerjury Stuttgart, die einen von der Landeshauptstadt Stuttgart mit 1000 € dotierten Preis vergibt, hat sich für REBELLE von Kim Nguyen entschieden.
Sie begründen ihre Entscheidung folgendermaßen:
„Wir fanden den Film REBELLE der Realität am nächsten. Es handelte sich um keinen Standardhollywoodfilm. Ein Thema, bei dem es wichtig ist, sich damit auseinanderzusetzen. Die schauspielerische Leistung der Protagonistin war am überzeugendsten. Insgesamt ein Film, der einen mitreißt und voller Emotionen ist.“

Preis der Schülerjury Tübingen

Der Preis der Schülerjury Tübingen, von Volker Lamm gestiftet und mit 1000 € dotiert, bei dem filminteressierte Tübinger Schüler den besten Film für jugendliche Zuschauer unter fünf nominierten Filmen aus dem gesamten Programm empfehlen, geht an REBELLE von Kim Nguyen.
„Wir haben uns für den Film REBELLE von Kim Ngyuen entschieden, da er uns sehr tief berührt hat. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war einerseits die Tatsache, dass wir uns aufgrund des jugendlichen Alters der Protagonistin, aus deren Sicht der Film gedreht wurde, stark mit ihr identifizieren konnten, andererseits hat
uns die Thematik schockiert und mitgenommen. Wir wurden auf eine Welt aufmerksam gemacht, in der Kinder zu für uns unvorstellbaren Gewalttaten gezwungen werden und furchtbares Leid ertragen müssen. Der Film hat uns einfach
so sehr bewegt, dass wir im Anschluss kaum dazu in der Lage waren, uns darüber auszutauschen.“

SACEM Preis für die beste originale Filmmusik

Der SACEM Preis für die beste originale Filmmusik, für den die französische Musikverwertungsgesellschaft SACEM 1.500 € gestiftet hat geht an LE TABLEAU von Jean-François Laguionie. Die Musik zu dem Film hat Pascal Le Pennec komponiert.

Die Jury sagt dazu:
„Das ist ein Film, für den der Ausdruck „die Musik zum Bild“ eine besondere Bedeutung bekommt. Der Charme, die Poesie und die Tiefgründigkeit des Films werden durch die Klangfarben überhöht, die Pascal Le Pennec für die Geschichte gewählt hat. Die Musik zu LE TABLEAU ist manchmal Kulisse, manchmal handelnde Person, manchmal etwas anderes, immer klar und voller Poesie, gleichzeitig unbeschreiblich und essentiell.“

Französischer Wettbewerb: Verleihförderpreis

Der Verleihförderpreis von 20.000 € wird gestiftet von Unifrance und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Das Geld erhält derjenige deutsche Verleih, der den Gewinnerfilm in die deutschen Kinos bringen möchte, in diesem Jahr ist es

LAVIERGE LES COPTES ET MOI… von Namir Abdel Messeeh.

Kurzfilmwettbewerb

Der Kurzfilmwettbewerb prämiert mit 1.000 €, gestiftet von Carsten Schuffert (Bewegte Bilder Event GmbH Tübingen), den innovativsten Kurzfilm, den die Internationale Jury ausgewählt hat. In diesem Jahr ist es

MON AMOUREUX von Daniel Metge.

Die Begründung der internationalen Jury:
„Getragen von einem fabelhaften Schauspielertrio gelingt es dem Film MON AMOUREUX das Tabuthema Sexualität und Behinderung zum Thema zu machen und auf subtile Weise Humor, Zärtlichkeit und Poesie zu verbinden. Der Regisseur Daniel Metge vergleicht dabei die Natürlichkeit und Ungezwungenheit der beiden Behinderten mit den komplizierten Liebesbeziehungen der gesunden Schwester Laurie.“

Kreissparkasse Cinéslam Preis

Den Kreissparkasse Cinéslam Preis: dotiert mit 500 €, von der Kreissparkasse gestiftet, erhalten

Max Clausen und Paul Wilms für den Kurzfilm Und der beste Kaugummi ist doch immer noch der eigene Rotz.