28. Französische Filmtage: 2011

deutsch

Die Generation Revolution hat eine Woche gefeiert! Eine wunderschöne Herbstwoche lang war Tübingen wieder das deutsche Herz des französischsprachigen Kinos – mit über 80 Filmen in über 150 Vorstellungen. Mehr als dreißig Gäste aus Frankreich, Belgien, Kanada, dem Kongo, Nordafrika und der Schweiz haben mit uns und mit Ihnen ihre Filme angesehen, diskutiert und gefeiert. Und von nachlassender Begeisterung für das frankophone Kino ist keine Spur zu merken – wir können uns über mehr als 10.000 Besucherinnen und Besucher freuen.

Den Französischen Filmtagen Tübingen scheint in diesem Jahr die Quadratur des Kreises gelungen zu sein:

Wir sind stolz auf ein ambitioniertes Programm mit vielen sehr anspruchsvollen Filmen, die trotzdem häufig mit einer großen Leichtigkeit überzeugten. „La guerre est déclarée“ von Valérie Donzelli, ein großer Publikumserfolg, gehörte ebenso dazu wie „Bouton“, ein Film von Res Balzli aus der Schweiz. Autorenfilme und Popcornkino standen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander, genau das wollten wir haben und genau das ist uns auch gelungen.

Wir freuen uns, dass so viele unserer Gäste mit ihrem Charme die Herzen der Zuschauer im Sturm erobert haben und darüber hinaus differenzierte und engagierte Diskussionen und Filmgespräche geführt werden konnten wie am Sonntag mit Boris Nicot und Stéphane Tchalgadjeff über das französische Autorenkino oder die Diskussion über die „Arabellion“ am Sonntagnachmittag im Atelier.

Wir genießen die intensive Atmosphäre der langen Kinoabende genauso wie die Empfänge und Partys, die nicht zuletzt die Französischen Filmtage zu einem richtigen Filmfest machen.

Wir sind sehr glücklich, dass so viele profilierte Vertreter des französischsprachigen Kinos bei uns zu Gast waren – Olivier Assayas, Jaco Van Dormael, Michel Ocelot, Mireille Perrier, Stéphane Tchalgadjeff – und wir trotzdem ein Publikumsfestival bleiben, das viele unmittelbare Kontakte und Gespräche zwischen Zuschauern und Filmemachern ermöglicht.

Und wir freuen uns auch darüber, zwei Jahre vor unserem 30. Geburtstag immer noch ein junges Festival zu sein, das zahlreichen jungen Regisseurinnen und Regisseuren die Chance bietet, ihre Filme in Deutschland zu präsentieren und bekannt zu machen: Anne Emond, Céline Sciamma, Roland Edzard, John Shank u.a..

Sehr schön war für uns dieses Jahr die gute Zusammenarbeit mit OFAJ, dem Deutsch-Französischen Jugendwerk, das gleich zwei Workshops für junge Radio- und Filmemacher anbot und das Festival mit vielen kreativen Beiträgen dokumentiert hat und die Zusammenarbeit mit der Universität Tübingen, die mit dem bereits traditionellen Festival-TV für eine ebenso amüsante wie informative Berichterstattung rund um die Filmtage sorgt.

Ob jetzt das Afrika-Programm mit seinem Fokus auf den aktuellen Entwicklungen in Nordafrika, die Masterclasses mit Olivier Assayas und Jaco Van Dormael, der Scherenschnittworkshop für Kinder mit Michel Ocelot im Stadtmuseum Tübingen oder ganz einfach die vielen Filme und Partys die Highlights der 28. Französischen Filmtage waren, hängt nicht zuletzt auch von persönlichen Erwartungen und Vorlieben ab. Ganz besonders möchten wir deshalb die Filme hervorheben, die einen der zahlreichen Preise gewonnen haben, die auf den 28. Französischen Filmtagen vergeben wurden:

Internationaler Wettbewerb: Filmtage Tübingen Preis

Den vom Tübinger Kinomäzen Volker Lamm gestiftete und mit 5.000 € dotierte Filmtage Tübingen Preis geht an die Kanadierin Anne Emond und ihren Film Nuit # 1.

Die Begründung der Jury:

„Wir haben beschlossen, Nuit #1 von Anne Emond zu prämieren. Die Qualität dieses Films liegt darin, dass eine Frau und ein Mann einen Teil von uns heute widerspiegeln: Eine Leere, die uns immer mehr überwältigt, heute und in jedem Alter. Uns hat die Inszenierung dieses geschlossenen Raumes, dieses „Huis clos“, überzeugt, die keinen Moment nachlässt und von einer seltenen Qualität der Dialoge und einer emotionalen und nüchternen Interpretation getragen wird.“

Tübinger Publikumspreis

Der ebenfalls von Volker Lamm gestiftete Tübinger Publikumspreis, der mit 2.500 € dotiert ist, geht an Gilles Pacquet-Brenners Film Elle s’appelait Sarah.

Stuttgarter Publikumspreis

Den Stuttgarter Publikumspreis, für den TV5Monde und die Landeshauptstadt Stuttgart 2.500 € bereitstellen, hat Elle s’appelait Sarah von Gilles Pacquet-Brenner gewonnen.

Preis der Schülerjury Stuttgart

Auch die Schülerjury Stuttgart, die einen von der Landeshauptstadt Stuttgart mit 1000 € dotierten Preis vergibt, hat sich für Elle s’appelait Sarah von Gilles Pacquet-Brenner entschieden.

Sie begründen ihre Entscheidung folgendermaßen:

„Wir finden der Film hat den Preis der Schülerjury verdient, da er sehr ergreifend ist und eine damalige Brutalität aufzeigt die wir uns heute gar nicht mehr vorstellen können. Durch Sarah fühlen wir uns mit der Geschichte verbunden und wir sollten uns glücklich schätzen, dass wir im jetzigen Zeitalter leben.

Letztlich fanden wir es auch interessant, dass der deutsche Titel des Films „Sarahs Schlüssel“ heißt. Der Schlüssel hat für uns Symbolcharakter, weil er durch den ganzen Film führt. Das Anspruchsvolle hat uns gereizt.

Zuletzt sind noch die filmischen Mittel zu erwähnen, wie Kameraperspektive und die Musik, die wir sehr passend finden.“

Preis der Schülerjury Tübingen

Der Preis der Schülerjury – Tübingen, von Volker Lamm gestiftet und mit 1000 € dotiert, bei dem filminteressierte Tübinger Schüler den besten Film für jugendliche Zuschauer unter fünf nominierten Filmen aus dem gesamten Programm empfehlen, geht an Le fils à Jo von Philippe Guillard.

Kritikerpreis

Der Kritikerpreis ist mit 2.000 € dotiert und wird vom Stuttgarter Programmkinobetreiber Peter Erasmus (Arthausfilm GmbH Stuttgart) gestiftet. Die Filmkritikerjury hat Sur la planche von Leila Kilani als die innovativste Produktion prämiert:

„Der Film erzählt vom Leben von vier jungen Arbeiterinnen im heutigen Marokko, die sich ihr Gehalt mit kleinen Diebstählen und Gelegenheitsprostitution aufbessern. Badia und ihre Freundinnen wollen mehr sein als die Arbeitsbienen der Globalisierung, sie wollen die Kontrolle über ihr Leben behalten. Leïla Kilanis Film ist von derselben Kraft und Energie wie seine wunderbare, starke, trotzige Hauptfigur, er hat einen schnellen Herzschlag und einen großartigen Spannungsbogen. Dieses Debüt wird getragen vom Wind der Geschichte und zeichnet gleichzeitig eines der eindringlichsten, herzzerreißendsten Frauenporträts, die derzeit im Kino zu sehen sind. “

 

Der SACEM Preis für die beste originale Filmmusik

Der SACEM Preis für die beste originale Filmmusik, für den die französische Musikverwertungsgesellschaft SACEM 1.500 € gestiftet hat geht an Le fils à Jo von Philippe Guillard. Die Musik zu dem Film hat Alexis Raoult komponiert. Die Jury sagt dazu:

„Wir haben Alexis Raoult für seine Musik zu „Le fils à Jo“ ausgewählt. Zunächst ist es eine große Herausforderung, eine gute Musik für eine Komödie zu schreiben. Raoult ist dies auf geschmackvolle Weise gelungen. Er hat es geschafft, die verschiedenen Musikstile, die für diesen Film notwendig waren – Fanfaren, symphonische Musik, Musik für sehr gefühlvolle oder intime Szenen – geschickt miteinander zu verbinden.“

 

Französischer Wettbewerb: Verleihförderpreis

Der Verleihförderpreis von 20.000 € wird gestiftet von Unifrance und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Das Geld erhält derjenige deutsche Verleih, der den Gewinnerfilm in die deutschen Kinos bringen möchte, in diesem Jahr ist es Elle s’appelait Sarah von Gilles Pacquet-Brenner.

 

Kurzfilmwettbewerb

Der Kurzfilmwettbewerb prämiert mit 1.000 €, gestiftet von Carsten Schuffert (Bewegte Bilder Event GmbH Tübingen), den innovativsten Kurzfilm, den die Internationale Jury ausgewählt hat:

„Der Film, der uns am meisten beeindruckt hat, ist 12 heures d’autonomie von Cilian Tobin. Der Regisseur stellt zwei Todesfälle einander gegenüber: einen zufällligen und einen gewählten Tod, die beide sinnvoll werden durch zwei unwahrscheinliche und empfindsame Begegnungen und im Hinblick auf das Leben, seinen Wert und seine Freiheit.

Cilian Tobin nimmt sich eines ambitionierten Stoffes an und realisiert ihn mit Tiefe und in beschränkter Zeit.“

Eine lobende Erwähnung erhält Chaque jour et demain von Fabrice Main:
„Wir wollten den Zugang zu diesem Film besonders fördern wegen seines großen Interesses und der Öffnung zum anderen. Mach weiter so, auf geht’s!“

 

Kreissparkasse Cinéslam Preis

Den Kreissparkasse Cinéslam Preis: 500 €, von der Kreissparkasse gestiftet, erhält Marvin Kiel für den Kurzfilm Bad Day.