25. Französische Filmtage Tübingen | Stuttgart

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Das Silberjubiläum der Französischen Filmtage: Ein rauschendes Kinofest mit hinreißenden Gästen und beeindruckenden Filmen aus der ganzen Frankophonie

Ausgelassene Stimmung, engagierte Diskussionen und wegweisendes Kino: das Tübinger und Stuttgarter Publikum tauchte begeistert in die Welt des Films von Frankreich über Québec bis zum Kongo ein – die 25. Ausgabe der Französischen Filmtage feierte das junge Cinéma francophone. Die Festivalleiterin Andrea Wenzek resümiert: „Wir haben das Jubiläumsjahr mit ungewöhnlich vielen Gästen gefeiert. Deren intensive Diskussionen mit dem Tübinger Publikum haben den besonderen Charme der Filmtage ausgemacht. Ein Highlight war natürlich auch die Begegnung mit unserer Ehrenpreisträgerin Agnès Varda.“

Tübinger Filmtage-Preis

Eindeutiger Sieger im diesjährigen Internationalen Wettbewerb, für den neun Nachwuchsfilme nominiert waren, ist der erste Spielfilm Home der 37jährigen Franco-Schweizerin Ursula Meier. Gleich drei Preise räumte Ursula Meier für ihre eindrückliche Familien-Parabel ab. Ein exzellent gespielter Film (mit Schauspiel-Ikone Isabelle Huppert), der an einem sehr ungewöhnlichen Ort, einer anfänglich noch nicht eröffneten Autobahn, eine große Dramatik entwickelt.

Der erste Tübinger Filmtage-Preis, den die Internationale Jury mit den Filmemachern Denis Côté aus Québec, Jean-Michel Kibushi aus dem Kongo und Fabienne Hanclot, der Leiterin des französischen Verbands zur Verbreitung des unabhängigen Films ACID verleiht, geht an das belgisch, französisch, schweizerische Debüt Home von Ursula Meier. Der Filmtage-Preis wird von Kino-Mäzen Volker Lamm mit 5.000 Euro ausgestattet.

Begründung: „Für die Originalität des Einfalls und der Reflexion, für seinen Blick zwischen Exzentrik und Zärtlichkeit auf den Kosmos Familie, für seine Art, mit der Absurdität der Welt zu konfrontieren und gleichzeitig an die Kraft des Kinos zu glauben, geht der Preis des besten Spielfilmes an Home von Ursula Meier.“

Deutsch-Französischer Preis

Auch die Jugendjury für den Deutsch-Französischen Preis hat sich für das eindrückliche Debüt Home von Ursula Meier entschieden. Fünf jugendliche Cineasten aus Deutschland und Frankreich, eingeladen vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW) und dem Fernsehsender TV5Monde, verleihen zum dritten Mal den Deutsch-Französischen Preis. TV5Monde unterstützt die deutsche Kinoauswertung des Gewinners mit 5 000 €.

Begründung: „Der originelle und intelligente Ansatz, in einer Individualgesellschaft und einer Welt im Transit über die Familie und das Zuhause zu sprechen, hat uns verführt. Ursula Meier entwirft einen Gegenschuss auf das Road Movie. Im Lachen wie im Weinen erfahren wir in ihrem Film die Energie der Familienliebe, die bis zur Erstickung und Zerstörung führen kann. Vielen Dank für ein intensives Kino ersten Ranges…!“

Preis des Verbands der Deutschen Filmkritik

Als den formal geschlossensten Beitrag des Festivals befand auch die Jury für den Preis des Verbands der Deutschen Filmkritik, bestehend aus Bodo Schönfelder, Caroline Buck und Frédéric Jäger, Home von Ursula Meier.

Begründung: „…Familiärer Alltag und seine Rituale, changierend zwischen Banalität und Wahn. Der Zuschauer verfolgt, wie die Selbstgewissheit einer Lebensweise in einen Abgrund führt, der in der Moderne angelegt ist. My home is my castle nicht als Schutz gegen die zerstörerische Umwelt, sondern als deren Konsequenz.

Mit ihrem ersten Kinofilm beweist die Regisseurin eine individuelle Handschrift, die nicht nur Dialoge, sondern auch Bilder als Mittel der Erzählung zu nutzen weiß und die Kamera von Agnès Godard für präzise, ausdrucksstarke Szenen einsetzt. Wir sind sehr gespannt darauf, wie sie diese Handschrift in ihren kommenden Werken weiterentwickeln wird.“

Tübinger Publikumspreis

Das Tübinger Publikum traf eine eigene Wahl und stimmte für einen spannenden Kunstkrimi, der die Geheimnisse des Malers Henri Watteau aufdeckt: Ce que mes yeux ont vu von Laurent de Bartillat.

Der 17. Tübinger Publikumspreis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird gestiftet von Volker Lamm, Betreiber der „Vereinigten Lichtspiele“.

Publikumspreis der Landeshauptstadt Stuttgart

Der 3. Publikumspreis der Landeshauptstadt Stuttgart, ausgestattet mit 2.500 Euro, geht an das kanadische Spielfilmdebüt Borderline von Lyne Charlebois über die emotionale Achterbahnfahrt einer jungen Frau mit der vorzüglichen Schauspielerin Isabelle Blais und einer großartigen Kamera.

Kurzfilmpreis

Zum dritten Mal wird in diesem Jahr bei den Französischen Filmtagen ein Kurzfilmpreis ebenfalls von der Filmkritikerjury vergeben. Die Entscheidung fiel auf  Une leçon particulière von Raphäel Chevènement.

Begründung: „Der Preis geht an einen Film, der seine Laufzeit von nur 10 Minuten für eine pointierte Momentaufnahme jugendlicher Liebesnöte nutzt, die zeitlose Geschichte einer éducation sentimentale. Als Angelpunkt der Initiation seines umwerfend gespielten Helden in Poesie und Liebe dient ein Gedicht von Victor Hugo: Die Kunst spiegelt das Leben, das Leben interpretiert die Kunst. ..“

Preis der Schülerjury

Die Schülerjury des bilingualen Zweiges vom Tübinger Kepler-Gymnasium kürte Deux jours à tuer von Altmeister Jean Becker über die ergreifende Geschichte einer Midlife-Crisis zum besten Film für jugendliche Zuschauer.