24. Französische Filmtage Tübingen | Stuttgart

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24. Französische Filmtage: Junger frankophoner Film begeistert Lange Schlangen vor den Kinokassen, lebhafte Diskussionen in den Sälen: das Tübinger und Stuttgarter Publikum tauchte begeistert in die Welt des aktuellen frankophonen Films ein, welche die FRANZÖSISCHEN FILMTAGE mit mehr als 80 Filmen in ihrer ganzen Bandbreite aufzeigten. Die Festivalleiterin Andrea Wenzek resümiert: „Unsere internationalen Gäste waren von der herzlichen Atmosphäre des Festivals angetan, vor allem begeisterte sie die Diskussionsfreude des Publikums. Eine große Entdeckung für die deutschen Zuschauer und das Fachpublikum war das unter die Haut gehende sehr persönliche Regiewerk von Jacques Nolot, dem wir die diesjährige Werkschau gewidmet haben.“

Preis der Deutsch-Französischen Jugendjury

Im Französischen Wettbewerb wurde der Verleihförderpreis, gestiftet von Unifrance und der Medien- und  Filmgesellschaft Baden-Württemberg, an den schwungvollen Eröffnungsfilm Le fils de l’épicier von Eric Guirado vergeben. Die Jury bestand aus: Claudine Sulyok (MFG), Elmar Bux (Kinobetreiber in Rottenburg) und Margret Köhler (Filmjournalistin aus München). Der mit 20.000 Euro dotierte Preis soll den Verleih Arsenalfilm unterstützen, Le fils de l’épicier in Deutschland in die Kinos zu bringen.

Begründung: „Le fils de l’épicier“ entführt den Zuschauer in eine Welt, die im Verschwinden begriffen ist – ohne Schönfärberei oder Klischees. Die aber auch Perspektiven aufweist. Hinter der Fassade der Landidylle zeichnen sich Brüche und Unsicherheiten ab, die trotz aller Unwägbarkeiten Chancen für die Protagonisten eröffnen. Beeidruckend das authentische Spiel von Nicolas Cazalé und Clotilde Hesme, die ihre Charaktere mit Leben erfüllen. Eine leichtfüßige und dennoch realitätsnahe Reflexion über Wertewandel zwischen Tradition und Moderne.

Publikumspreis

Ein Novum bei den Filmtagen: Tübinger und Stuttgarter Publikumspreis gehen an denselben Film, Il va pleuvoir sur Conakry von Cheick Fantamandy Camara. Das Spielfilmdebüt des 47jährigen Camara überzeugt durch seine Verbindung von Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit, mit der er gesellschaftliche Probleme und Herausforderungen des westafrikanischen Landes Guinea darstellt. Mit Witz und unbändiger Lebensfreude vermittelt Camara seine zutiefst humanistische Botschaft von Nächstenliebe und persönlicher Freiheit und schildert mit bestechender Klarheit die Komplexität von Machtund Traditionszusammenhängen in Westafrika.
Der Regiepreis ist in Tübingen mit 3.500 Euro dotiert und wurde gestiftet von Volker Lamm, Betreiber der  „Vereinigten Lichtspiele“. In Stuttgart ist der Preis mit 2.500 landeshauptstädtischen Euro ausgestattet.

Preis des Verbands der Deutschen Filmkritik

Den Preis des Verbands der Deutschen Filmkritik vergibt die Jury, bestehend aus Dr. Gerald Koll, Kerstin Liese und Michael Ranze, an den innovativsten Beitrag des Festivals: La naissance des pieuvres von Céline Sciamma.
Begründung: Der Regisseurin Céline Sciamma gelingt es, einfühlsam und vielschichtig die Verwirrung des Erwachsenwerdens und die Unsicherheit über das eigene sexuelle Begehren zu beschreiben. Dabei zeichnet sie präzise drei unterschiedliche, überaus ambivalente Charaktere, deren Absichten lange verborgen bleiben. Diese Ambivalenz spiegelt sich auch in den eleganten, klaren Bildern des Wasserballetts, das – metaphorisch überhöht – Anmut und Anstrengung zugleich verlangt. So wird „Naissance des pieuvres“, ganz nebenbei, zu einem kleinen Essay über die Kunst des schönen Scheins und die schöne Kunst des Scheins.

Kurzfilmpreis

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr bei den Französischen Filmtagen ein Kurzfilmpreis ebenfalls von der  Filmkritikerjury vergeben. Die Entscheidung fiel auf Echo von Yann Gozlan.
Begründung: Viele Filme haben Herz. Der, der den ersten Tübinger Kurzfilmpreis erhält, hat mindestens zwei. Ein Herz regt sich darin, das heraus will aus seinem Gehäuse. Man hört es schlagen, brummen, pochen, anklopfen, bis man merkt, dass man diesem Miniatur-Mystery-Thriller über eine einsame Schwangere gespannt zuschaut, aber mindestens ebenso gespannt zuhört. Dieser Hör-Film erinnert auf beängstigend-irritierende Weise daran, dass eine Mutter bei der Geburt immer auch einen Teil ihrer selbst an die Außenwelt abgibt. Und das ist nur eine von mehreren Lesarten. Herzlichen Glückwunsch, Monsieur Yann Gozlan, zu Ihrem Baby „echo“.

Preis der Schülerjury

Die Schülerjury kürte Dans les cordes von Magaly Richard-Serrano zum besten Film für jugendliche Zuschauer. Selbst zweifache Boxmeisterin, gelang der Regisseurin ein begeisterndes Porträt jugendlicher Kickboxerinnen.
Begründung: Der Gewinnerfilm ist der Film, der die Selbstfindung unter Leistungsdruck eines jungen Menschen künstlerisch in den Mittelpunkt stellt. Er hebt sich durch seine exzellenten Kameraeinstellungen von den anderen Filmen ab und thematisiert am Besten die besonderen Probleme von Jugendlichen, die ihren Weg in der  Leistungsgesellschaft gehen müssen.