November, 2017

5Nov.15:30Diskussion: Pierre Véry (ST)15:30 Haus der GeschichteRahmenprogramm:Pierre Véry,Vorträge & Diskussionen,Stuttgart

Beginn

(Sonntag) 15:30

Kino / Veranstaltungsort

Haus der Geschichte

Konrad-Adenauer-Straße 16, 70173 Stuttgart

Details

Diskussion: Pierre Véry, 1900 – 1960, La Continental und das Propagandaministerium

In den 1930er-Jahren war Pierre Véry ein gefeierter Romanautor in Frankreich. Aufgewachsen in der Charente träumte der Junge von Abenteuerreisen in die weite Welt. Nach einigen Radrennen und einer kurzen Buchhändlerkarriere in Paris begann Véry bald selbst zu schreiben. Zuerst Novellen und Zeitungsartikel, später Abenteuer-, Jugend- und Kriminalromane. Er schrieb wie ein Besessener und blieb trotzdem arm. Dass man mit dem Schreiben auch Geld verdienen konnte, bemerkte er eher zufällig, als 1937 sein Roman Les Disparus de Saint-Agil erfolgreich verfilmt wurde. Der Anfang seiner cineastischen Karriere.

Auch wenn er das Drehbuch zu seinem Roman L’Assassinat du Père Noël – Mord am Weihnachtsmann nicht selbst schrieb: Dass er seinen Roman ausgerechnet von La Continental verfilmen ließ, wurde ihm nach dem Krieg als « collaboration avec l’ennemi » vorgeworfen. Denn die französische Produktionsfirma La Continental Films war während der Besetzung Frankreichs vom Chef des deutschen Propagandaministeriums, Joseph Goebbels, höchstpersönlich gegründet worden. Man wollte den internationalen Markt mit seichten Unterhaltungsfilmen erobern. Das war jedoch nicht nach dem Geschmack des frankophilen Continental-Produzenten Alfred Greven. Er engagierte sich lieber für jüdische Schauspieler und qualitätsvolle Filme. Seine erste Produktion war deshalb die Verfilmung von Vérys Weihnachtskrimi alles andere als ein Propagandafilm.

Als man Pierre Véry 1946 mit dem Vorwurf der Kollaboration konfrontierte, verwies dieser auf seine schriftstellerische Freiheit, außerdem habe er dringend Geld gebraucht. Der leidenschaftliche Autor war enttäuscht über die Verurteilung, das hinderte ihn aber nicht daran, weiter zu schreiben – Drehbücher und Romane in seinem unverwechselbaren Stil, wo sich das Wunderbare mit dem Grusel und dem Bizarren treffen. Die Franzosen lieben seine « Romans de mystères ».

Noël Véry, der Sohn des Schriftstellers, hat seine Romanverfilmungen restaurieren und digitalisieren lassen. Die drei bekanntesten Les Disparus de Saint-Agil, Goupi Mains Rouges und L’Assassinat du Père Noël werden bei den FFT Tübingen | Stuttgart gezeigt.

In Kooperation mit dem Institut français Stuttgart wird der französische Generalkonsul, Nicolas Eybalin, im Anschluss an die Filmvorführung von L’Assassinat du Père Noël (Filmbeginn: 15:30 Uhr) eine Diskussion mit Noël Véry im Haus der Geschichte in Stuttgart moderieren.