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Noces

Belgien, Frankreich, Luxemburg, Pakistan 2016 | von Stephan Streker | 98 Min. | OmdU

Synopse
Für die 18-jährige Zahira scheint ein Leben nach den Normen der belgischen Zivilgesellschaft und nach den Vorstellungen ihrer traditionell lebenden pakistanischen Familie ohne Konflikte möglich zu sein. Diese scheinbare Entscheidungsfreiheit stößt an ihre Grenzen, als sie von ihrem ebenfalls pakistanischen Freund Tariq schwanger wird, den ihr Vater als potenziellen Gatten rundweg ablehnt. Nun wird Zahira von ihren eigentlich so liebevollen Eltern mit zwei für sie furchtbaren Forderungen konfrontiert: Sie soll das Kind abtreiben lassen und sich dann via Skype für einen von ihren Eltern ausgewählten Ehekandidaten in Pakistan entscheiden, um ihre sogenannte bêtise wieder in Ordnung zu bringen und das Ansehen ihrer Familie in ihrem pakistanischen Umfeld zu retten.

Zahira ist hin- und hergerissen zwischen ihrem Wunsch, ihre geliebte Familie nicht zu verlieren, und der Empörung, dass das nur über eine scheinheilige Rückkehr in die traditionelle muslimische Frauenrolle möglich sein soll. Dieser innere Zwiespalt erklärt, warum Zahira den Schwangerschaftsabbruch zunächst verweigert und dann doch durchführen lässt, sich mit einem der Heiratskandidaten verheiraten lässt und dann doch ausbricht und die Familie verlässt. Jedoch leidet nicht nur Zahira, sondern auch ihre Familie und vor allem ihr Bruder Amir, der immer ihr Vertrauter war und nun zwischen Verständnis für Zahira und Zorn über das Leid, das sie ihrer Familie zufügt, aufgerieben wird.

Fazit aus didaktischer Sicht
Der Film, »librement inspiré d’un fait divers«, überzeugt durch seine Unparteilichkeit. Es geht nicht nur darum, Zahira als Opfer ihrer Familie darzustellen, sondern zu zeigen, wie alle leiden und zu Opfern teils verlogener Konventionen werden. Befragt Comment définiriez-vous Noces ? antwortet Regisseur Stephan Streker: »Comme une tragédie grecque. Parce que, comme dans une tragédie grecque, c’est la situation qui est monstrueuse, pas les personnages.« Der Film vermeidet explizite Gewaltdarstellung und erschüttert doch, z.B. durch den Kontrast zwischen Zahiras Schuldgefühlen ihrem ungeborenen Kind gegenüber und der technisch-nüchternen Seite des Eingriffs in der Klinik, aber auch durch die großartigen Darsteller, mit denen der Zuschauer mitleidet. Der Film ist sehr gut verständlich und ergänzt inhaltlich nicht nur das Thema der »jeunes musulmanes dans la société laïque, der immigration und intégration vs. communautarisme«, sondern auch das des Gewissenskonfliktes in einer Entscheidungssituation (siehe Camus, L’hôte).

7Nov.10:30Noces - Hochzeit10:30 Kino Studio Museum TübingenFilme:Horizonte,Schulkino

8Nov.10:00Noces - Hochzeit10:00 Kino Cineplex Planie ReutlingenFilme:Horizonte,Schulkino

8Nov.18:15Noces - Hochzeit18:15 Kino Delphi 1 StuttgartFilme:Horizonte,Schulkino

8Nov.18:00Noces - Hochzeit18:00 Kino Waldhorn RottenburgFilme:Horizonte,Schulkino